Macht der Staub wirklich krank?

Folgender Artikel entstammt der Printausgabe des Täglichen Anzeigers Holzminden vom 20. Juni 2016.


Kulturfest an der Asche-Deponie in Wangelnstedt / BI erwartet endlich Antworten

WANGELNSTEDT (jbo). Der Widerstand gegen die geplante Erweiterung der Aschedeponie zwischen Wangelnstedt und Lüthorst ebbt nicht ab. Beim ersten Kulturfest der Bürgerinitiative gegen die Erweiterung der Aschedeponie Lüthorst forderten die Sprecher der BI und örtliche Politiker die Betreiber und Behörden dazu auf, endlich Antworten zu liefern und auf einen

Weiterbetrieb der Deponie zu verzichten. Druck macht die Bl dabei mit einer spektakulären Aktion: Blutproben Wangelnstedter Bürger sollen den Nachweis für eine Dioxinbelastung erhärten.

Ein bunt gemischtes Zeltlager an der Schulwiese, in direkter Nachbarschaft zur Aschedeponie, bildete den Rahmen für das erste Kulturfest der Wangelnstedter Bürgerinitiative. Doch das fröhliche Ambiente mit Spiel, Spaß, Musik und zahlreichen Leckereien hatte einen ernsten Hintergrund. Die Sprecher der BI nutzten erneut die Möglichkeit, die Geschichte der Deponie, aber auch die Planungen zur Erweiterung der Halde vorzustellen. In dem Zusammenhang bemängelte Professor Manfred Sietz, dass der Betreiber immer noch nicht den Nachweis erbracht habe, dass die atembaren Feinstäube nicht gesundheitsschädlich seien. Auch dem Gewerbeaufsichtsamt würden neue Wischproben vorliegen, diese hätten jedoch in den Stellungnahmen der Behörde noch keine Beachtung gefunden. Sietz geht fest davon aus, dass diese Proben erhöhte Werte ergeben und forderte deshalb ein umfassendes Untersuchungsprogramm.

Dem verlieh die BI an diesem Tag mit einer spektakulären Aktion Nachdruck. René Malitte ließ sich als erster Wangelnstedter Bürger direkt vor Ort eine Blutprobe entnehmen. Diese, und weitere

mehr, sollen auf Dioxin untersucht werden. „Natürlich würden wir uns freuen, wenn die Proben keine erhöhten Werte ergeben würden,“ so Manfred Sietz.

Zufrieden zeigten sich die Mitglieder der BI darüber, dass es ihnen gelungen ist, den Protest gegen die Deponie zu bündeln. So wird schon in der nächsten Woche unter der Leitung von Samtgemeindebürgenneister Wolfgang Anders erstmals ein runder Tisch mit Vertretern der Landkreise Holzminden und Northeim, dem Landesgesundheitsamt Hannover und der BI Wangelnstedt tagen. In einer Politikerfragestunde sicherte Rainer Becker, allgemeiner Vertreter der Landrätin Angela Schürzeberg, der BI schon jetzt die Unterstützung des Landkreises Holzminden zu. Dem schloss sich auch der Kreistagsabgeordnete Joachim Stünkel aus Lüthost an. Die Grünen aus dem Nachbarkreis gehen sogar noch weiter. Sie forderten in einer Resolution eine Kernbohrung bis zum Grund der Deponie. „Wer weiß, wie sich das Material von vor 20 Jahren dort mittlerweile darstellt?“ so Werner Richter. Diese Resolution wurde jedoch von der Mehrheit des Northeimer Kreistages abgelehnt.

Unmut über lange Reaktionszeiten

Unmut herrscht darüber hinaus über die langen „Reaktionszeiten“ der Behörden. So ist bisher noch keine Reaktion auf die von der BI gestellte Anzeige wegen Körperverletzung erfolgt, und auch ein

Wangelnstedter Bio-Landwirt wartet immer noch auf eine Antwort, ob er denn seine mit der Asche kontaminierten Erzeugnisse weiterhin als „Bio“ veräußern darf.

Dennoch sieht Olaf Nolte die Bemühungen der BI auf einem guten Weg. „Alles braucht seine Zeit, aber wir sehen gute Chancen‚ unsere Ziele zu erreichen“. Mit zahlreichen Gesprächen, Live-Musik und einem abschließenden Fackelmarsch hinauf zur Deponie klang das erste Kulturfest der BI Wangelnstedt aus.

Naturschutz geht vor Erweiterung

Folgender Artikel entstammt der Printausgabe des Täglichen Anzeigers Holzminden vom 11. Juni 2016.


MdL Tippelt führt Gespräche zur Deponie

LÜTHORST/WANGELNSTEDT (r). Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Tippelt hat erneut Gespräche geführt, um die Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die geplante Erweiterung der Deponie Lüthorst zu erörtern. Ergebnis: Ein zentraler Aspekt, der gegen die Erweiterung spricht, sei das bestehende Vogelschutzgebiet Solling-Vorland in dem betroffenen Gebiet. Außerdem sei der Landkreis Northeim im Beteiligungsverfahren zur Errichtung eines Landschaftsschutzgebietes an gleicher Stelle.

Mit Northeim abstimmen

„Hier werden wir uns mit dem Nachbarlandkreis Northeim abstimmen und Kräfte bündeln, um die Erweiterung der Deponie möglichst zu verhindern“, so Sabine Tippelt entschlossen.
Zum Vorschlag von MdL Uwe Schünemann, die Kraftwerke der Volkswagen AG auf die „Hagemeyer-Katalysator-Methode“ nachzurüsten um die Entstehung von Schadstoffen im Verbrennungsprozess bei den Kraftwerken zu verhindern, ist laut Sabine Tippelt festzustellen, dass dies als nicht notwendig erachtet wird, da die Kraftwerke die Emissions-Grenzwerte sicher einhalten.
Die Maßnahme sei aber nicht nur unnötig, sondern auch nachteilig, da der Einsatz der Katalysatoren sogar zu erhöhten Schwermetallgehalten in den erzeugten Aschen führen würde, erklärt Sabine Tippelt.
„Der richtige Weg ist jetzt, die Vorgaben des Naturschutzrechts so anzuwenden, dass eine Vergrößerung der Deponie und damit deutlich erhöhte Umweltbelastung verhindert wird“, so Tippelt abschließend.

Wasserproben entnommen

Am 10.6. fanden drei Wasserprobenahmen rund um die Aschedeponie Wangelnstedt/Lüthorst statt. Die Proben wurden durch den Diplom Chemiker Prof. Dr. Manfred Sietz im Beisein von Uwe Fingerhut und Werner Richter entnommen.
Die Wasserproben fanden auf Wunsch der besorgten Anwohner aus Wangelnstedt und Lüthorst statt. Die Wasserproben werden untersucht auf Dioxine, AOX, Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen, Fluorid, Eisen sowie auf Strahlenbelastungen.
Die Proben wurden unmittelbar ins Analyselabor nach Göttingen gebracht.
Sobald die Untersuchungsergebnisse vorliegen werden diese veröffentlicht und bilden so eine weitergehende Diskussions- und Handlungsgrundlage.

Aderlass gegen die Deponie

Aktion der BI Wangelnstedt am 18. Juni um 14:30 Uhr als Teil des ersten Kulturfestes an der Deponie

Hintergrund der Aktion ist die seit langem von der Bürgerinitiative Wangelnstedt geforderten Blutfett – Untersuchungen der in unmittelbarer Nähe der Aschedeponie Wangelnstedt/Lüthorst lebenden Bürger und Bürgerinnen. Geplant hierzu ist ein runder Tisch bestehend aus den Kreisverwaltungen Holzminden und Northeim, der Samtgemeinde Eschershausen/Stadtoldendorf sowie dem niedersächsischen Landesgesundheitsamt und den Vertretern der Bürgerinitiative Wangelnstedt. Der Runde Tisch soll ein Untersuchungsprogramm vorbereiten, das die zu erwartende bzw. nicht auszuschließende Dioxinbelastung der Wangelnstedter und Lüthorster Bevölkerung durch den Betrieb der Aschedeponie Wangelnstedt/Lüthorst untersucht.

Um eine statistische Mindestaussagekraft bei vertretbarem Kostenvolumen zu erreichen, sollten etwa 30 Blutuntersuchungen auf Dioxine für Wangelnstedt und noch einmal etwa 30 Blutuntersuchungen auf Dioxine für Lüthorst durchgeführt werden an Personen, die mindestens etwa zehn Jahre in Wangelnstedt bzw. Lüthorst wohnen.

Die bei dem geplanten Untersuchungsprogramm gewonnenen Dioxindaten können mit der Dioxindatenbank des Umweltbundesamtes abgeglichen werden, nähere Einzelheiten findet man hierzu auf der Dioxinhomepage des Umweltbundesamtes unter https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/dioxine. Ziel des Untersuchungsprogramms ist es zu sehen, ob die Dioxinbelastung der exponierten Wangelnstedter und Lüthorster Personen signifikant oberhalb der bundesdeutschen Bevölkerungsdurchschnittswerte in ländlichen Gebieten liegen.

Bei der Aktion „Aderlass gegen die Deponie“ wird die Bürgerinitiative Wangelnstedt zum runden Tisch und zum geplanten Untersuchungsprogramm informieren und Interessentenlisten auslegen, in denen sich die interessierten und betroffenen Wangenstedter und Lüthorster Bürger und Bürgerinnen (unverbindlich) eintragen können. Die Aktion „Aderlass gegen die Deponie“ wird am 18. Juni um 14:30 Uhr abgerundet werden durch eine symbolische Blutabnahme unter Anwesenheit der örtlichen und regionalen Medien.

Um 15 Uhr schließt sich die Bürgerfragestunde an mit den Politikerinnen und Politikern vor Ort und der Region. Es besteht reichhaltig Gelegenheit, die Fragen, Sorgen und Nöte der Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen und aus der Politik Antworten zu erhalten.

Kulturfest an der Deponie

Am Samstag, dem 18. Juni 2016 findet das erste Wangelnstedter Kulturfest an der Deponie statt. Der Eintritt ist selbstverständlich frei.

Das Plakat und der Flyer können hier herunter geladen werden:

http://www.wangelnstedt.com/Festflyer_Innen.pdf
http://www.wangelnstedt.com/Festflyer_Vorder_Rueck.pdf
http://www.wangelnstedt.com/Festplakat.pdf

Programm:

  • Ab 14 Uhr Kaffee und selbstgemachtes Kuchenbuffet – Begleitet von Akkordeon und Gitarre
    Walk-Acts
    Kunsthandwerk – Verschiedene Künstler stellen aus
    Kinderprogramm – Sandkasten, Schminken, Clownerie, Kinderfeuer im Indianerzelt, Hüpfburg u.v.m.
    Die Feuerküche sorgt für das leibliche Wohl mit Bratwurst und Bratkartoffeln und hausgemachten Dip
  • Ab 20.30 Uhr Live-Musik mit „Panama Red & Siebzehn“ – Psychedelic Folk-Rock – Der Hut geht rum
  •  ca. 22.30 Uhr Feuershow mit „Lichterloh“ – Der Hut geht rum
  •  ca. 23.00 Uhr Fackelzug zur Deponie
    Anschließend Party
    Lagerfeuer
    Cocktail-Bar

Anfahrt

Karte

Die Koordinaten des Festplatzes liegen bei 51°51’59.4″N 9°41’24.1″E oder einfach „Am Mühlenteich 2“ in das Navigationsgerät eingeben.