Kernbohrung bis zur Deponiesohle gefordert

Folgender Text entstammt der Printausgabe der Einbecker Morgenpost vom 28.01.2017:


Bl gegen die Aschedponie legt Lüthorstern Recherche-Ergebnisse vor | Deponierungspraxis untersuchen

LÜTHORST. Kurz vor der Entscheidung durch das Niedersächsische Umweltministerium, ob es zu einer Erweiterung der Aschedeponie auf dem Wangelnstedter und Lüthorster Gebiet kommt, hat die Bürgerinitiative (Bl) »Gegen die Erweiterung der Aschedeponie in Lüthorst/Wangelnstedt« Bilanz ihrer bisherigen Arbeit gezogen. Im Gasthaus in Lüthorst hielt die BI an ihrer Forderung fest, dass bevor nochmals 20 Jahre »unzumutbare Umwelt- und Gesundheitsbelastungen von der Bevölkerung« verlangt werden, erst die eindeutige Ungefährlichkeit der bereits bestehenden Deponie bewiesen und garantiert werden soll. Die BI sieht den Betreiber und die Landesregierung in der Pflicht, dies vor Beginn jeglicher Erweiterungsbaumaßnahmen zu tun. Die Bürgerinitiative erwartet von den Verantwortlichen deshalb, durch Kembohrungen bis zur Deponiesohle, inklusive der Untersuchung der Bohrkerne aus den Anfängen der Aschedeponierung, den Beweis der Unbedenklichkeit der Deponiealtlasten für die Bevölkerung zu erbringen.

Die GFR (Gesellschaft für Aufbereitung und Verwertung von Reststoffen mbH) betreibt bei Lüthorst, direkt an der Grenze zum Kreis Holzminden, seit 1989 in einem ehemaligen Gipstagebau eine Deponie, in der Asche und Rückstände aus den Steinkohlekraftwerken eingelagert werden. Die GFR hat eine Erweiterung um fünf Hektar in Richtung Osten beantragt, was ein Zusatzvolumen von 2,4 Millionen Kubikmeter schafft. Das würde eine verlängerte Betriebszeit von rund 20 Jahren bedeuten.

Seit bekannt wurde, dass die Firma GFR die Aschedeponie erweitern will, ebbt der Widerstand nicht ab: Blutproben sollen den Nachweis für eine Dioxinbelastung erbringen, Wisch- und Wasserproben sollen Gift- und Schadstoffablagerungen belegen. Landespolitiker wurden eingeschaltet, Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt, Kundgebungen organisiert, Luftmessungen gefordert, Unterschriften gesammelt.

Die BI hat recherchiert und ist dabei nun zu der Erkenntnis gelangt, dass es in den ersten Deponiebetriebsjahren bis 1994 zur Einlagerung von Verbrennungsaschen mit bisher nicht untersuchten und daher unbekannten Schadstoffkonzentration gekommen sein soll. Um auszuschließen, dass es sich hier um Gefährdungspotenzial handele, fordert die B1 die Untersuchung dieser Aschesedimente.

Zum einen befürchtet die BI, dass die Deponie keinesfalls ein Monolith sei, da die Aschen der unterschiedlichen Verbrennungsstoffe – die BI sprach von Altöl, Altreifen, Tierkadavern und Holzabfälle aus Heizkraft- und Abfallkraftwerken – Unterschiede in ihrer Dichte und chemischen Zusammensetzung aufweisen. Neben den Aschen sollen auch Sande aus Wirbelschichtfeuerungsverfahren eingelagert worden sein. Die Einlagerungen der inhomogenen Materialien sei in horizontalen Schichten erfolgt, die unterschiedliche Materialfestigkeiten und Wasserfließgeschwindigkeiten in den Schichten aufweisen.

Gefahren sieht die BI auch in vorhandenen Erdfällen und in chemischen Prozessen in der Altdeponie, die zu einer Wärmeentwicklung führen. Es komme zu schnellen Temperaturerhöhungen, das Abklingen hingegen dauere mehrere Tage. Insgesamt meint die BI, dass die bisherige Deponierungspraxis dringend »gewissenhaft und kritisch durch neutrale Dritte« untersucht werden müsse. Ein »Weiter so« dürfe es nicht geben. Die Bl fordert Kernbohrungen bis zur Deponiesohle, von den Ascheverursachern erwartet die BI eine Abfallvermeidung 4.0 und damit saubere Lösungen statt der Hinterlassenschaft »giftiger Probleme«. Den Aschelieferern soll deshalb künftig auch die »Edle Prise« überreicht werden: Gläser mit Wangelnstedter beziehungsweise Lüthorster Luft. Das Planfeststellungsverfahren soll ausgesetzt werden.

Die Grünen aus Dassel/Einbeck/Northeim unterstützen die BI. Wie Jürgen Jackisch-Theisen feststellte, hätten die gezogenen Wasserproben zwar nicht auf Gefahren hingewiesen. Er befürchtete aber doch, das die Deponie mit ihren Altlasten mit der Erweiterung beerdigt werden soll. Unterstreichend führte eine rasant angestiegene Zahl von Ascheanlieferern an.

Die Deponie ist zu 95 Prozent verfüllt – die Zeit drängt. Die BI plant, wenn nötig »ein neues Fass aufzumachen«: Sie führte an, dass für das Verfahren auch der Neuntöter relevant werden könnte. Sein Revier sei schützenswert, Ersatzhabitate notwendig.

Die BI rief alle dazu auf, Briefe an das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig zu schreiben. Jeder könne dort auch Einsicht in die Akten beantragen, hieß es. Denn der sorgsame Umgang mit lagernden Materialien, wie auch Altöl, ist für die Bl ein Muss.

(sts)

Bl fordert Kernbohrung bis zur Deponiesohle

Folgender Artikel entstammt der Printausgabe des Täglichen Anzeigers vom 28. Januar 2017:


Bürgerinitiative Wangelnstedt/Lüthorst stellt die Sinnhaftigkeit der Gespräche am „Runden Tisch“ in Frage

WANGELNSTEDT/LÜTHORST (nig). Neue Ungereimtheiten in Bezug auf die Aschedeponie bei Lüthorst hat die Bürgerinitiative Wangelnstedt-Lüthorst zu Tage gefördert. Einige Mitglieder hatten Einsicht in die amtlichen Akten der zuständigen Behörden nehmen dürfen und waren dort auf Dokumente gestoßen, die Fragen insbesondere zur Frühphase der Deponie (1989) aufwerfen. Am Donnerstag stellte die B1 den rund 80 Teilnehmern der Info-Veranstaltung im Hotel „Wilhelm-Busch“ in Lüthorst ihre Erkenntnisse vor und formulierte neue Forderungen.

Es gab eine sehr rege Beteiligung und Nachfragen auf die von der BI vorgestellte Berichterstattung. Für die Bevölkerung ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass es über Jahre auf allen deponiebezogenen Bereichen nachträgliche Erweiterungen gab, die nicht bekannt gemacht wurden.

Nach aktuellem Stand stellt die BI Wangelnstedt/Lüthorst die Sinnhaftigkeit der Gespräche am „Runden Tisch“ in Frage. Nach den neuen Erkenntnissen über die frühen Deponiejahre hält die BI eine Kernbohrung bis zur Deponiesohle für angebracht. „Und in genau diesem Punkt zeigt sich bislang der Betreiber uneinsichtig“, ärgern sich die Akteure.

Die BI vertritt, im Gegensatz zum Deponiebetreiber, die Ansicht, dass es in den ersten Deponiebetriebsjahren zur Einlagerung von Verbrennungsaschen mit bisher nicht untersuchten und daher bisher unbekannten Schadstoffkonzentrationen kam.

Entgegen der Behauptung des Deponiebetreibers, die Deponie sei ein Monolith, hat die BI Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Fachleute anderer Ansicht sind.

Zu befürchten sei, dass Aschen der Verbrennungsstoffe (Altöl, Altreifen, Tierkadaver, Klärschlamm, Steinkohle, Holzabfälle aus Heizkraft- und Abfallkraftwerken) Unterschiede in ihrer Dichte und chemischen Zusammensetzung aufweisen.

„Wir wissen aus 30 Jahren leidvoller persönlicher Erfahrung, dass Deponiefeinstaub kein Puderzucker ist.“
— BI Wangelnstedt/Lüthorst

Die Einlagerung der inhomogenen Aschen und Materialien erfolgte in horizontalen Schichten. Fachleute wiesen darauf hin, dass es Erdfälle (Erdrutsch) im Bereich des Deponiegeländes gibt, die nach Ansicht der BI sowohl auf die jetzige Deponierung wirken, als auch bei der geplanten Deponieerweiterung Gefahren bergen. „Inwieweit das Entstehen sogenannter Abbruchkanten darauf zurückzuführen ist, scheint nicht geklärt“, formuliert es Lupi A. Pfaffe, die den Info-Abend moderierte. „Es bleibt dem weiten Feld unserer Vermutungen überlassen“.

Die BI habe außerdem in Erfahrung gebracht, dass chemische Prozesse in der Altdeponie zu einer Wärmeentwicklung in den eingelagerten Abfallschichten führen. Hierbei kommt es, laut der Untersuchungen des Betreibers. Zu schnellen Temperaturerhöhungen von bis zu 80 Grad Celsius. Das Abklingen der Temperatur erfolgt über mehrere Tage. Die Bl ist der Auffassung, dass daher die bisherige Deponierungspraxis dringend gewissenhaft und kritisch und durch neutrale Dritte untersucht werden muss.

Weiter wurde der BI bekannt, dass es auf dem Deponiegelände zu Kalkverwehungen aufgrund offensichtlich mangelhafter Ablagerungtechniken kam. Als bemerkenswert empfindet die BI auch die wenig sachgerechte Lagerung von Altöl im 400-Liter-Fass, welches auf der Deponie gesichtet wurde.

„Wenn die gegenwärtige Deponierungspraxis unzureichend ist und viele Fragen unbeantwortet lässt, wie kann dann ernsthaft über die Erweiterung der Deponie um weitere 30 Jahre nachgedacht werden? „, wundert sich die BI. „Wie soll die Deponieerweiterung möglich sein, wenn sich herausstellt, dass die Altdeponie am Ende der Tage ein Sanierungsfall ist?“

Ein „weiter so“ und „jetzt erst recht“ dürfe es ohne solide Aufarbeitung und Klärung nicht geben. „Wir erwarten Antworten darauf, wie tauglich die Altdeponie an diesem Standort wirklich ist, und wollen schnellstens wissen, ob die Deponie ein Altlastenproblem hat und welche wirklichen Gefahren damit verbunden sind“, heißt es in dem am Donnerstag vorgestellten Forderungskatalog der Bürgerinitiative. Neben der Kernbohrung fordert die BI einen sofortigen Anlieferungsstopp weiterer Aschen sowie die Betriebseinstellung der Deponie Wangelnstedt bis zur endgültigen Klärung der aufgeführten Fragen. Zudem erwartet sie die Aussetzung des Planfeststellungsverfahren und die aktive Aufarbeitung der aufgezeigten Probleme durch die Verantwortlichen der Landesregierung.

Grundsätzlich erwarte die Bevölkerung in Wangelnstedt und Lüthorst von den Abfallverursachern und den Abfallentsorgem saubere Lösungen anstatt Gesundheitsbelästigung und die Hinterlassenschaft giftiger Probleme: „Wir wissen aus 30 Jahren leidvoller persönlicher Erfahrung, dass Deponiefeinstaub kein Puderzucker ist.“

Einladung zur Informationsveranstaltung

Die Bürgerinitiative „Gegen die Erweiterung der Aschedeponie in Lüthorst/Wangelnstedt“ lädt alle Bürgerinnen und Bürger zur Informationsveranstaltung am 26.01.2016 um 19.30 Uhr in das Landhotel Wilhelm Busch in Lüthorst ein.

Kurz vor der Entscheidung durch das Niedersächsische Umweltministerium, ob es zu einer Erweiterung der Aschedeponie auf dem Wangelnstedter- und Lüthorster-Gebiet kommt, will die BI über die Bilanz ihrer bisherigen Arbeit, die Aschdeponie zu verhindern, informieren. Die BI hält an ihrer Forderung fest, dass bevor nochmal 20 Jahre unzumutbare Umwelt und Gesundheitsbelastungen von der Bevölkerung verlangt werden , erst die eineindeutige Ungefährlichkeit der bereits bestehenden Deponie bewiesen und garantiert werden muss. Die BI sieht den Betreiber und die Landesregierung in der Pflicht, dies vor Beginn jeglicher Erweiterungsbaumaßnahmen zu tun.
Die Bürgerinitiative erwartet von den Verantwortlichen deshalb, durch Kernbohrungen bis zur Deponiesohle, inklusive der Untersuchung der Bohrkerne aus den Anfängen der Aschdeponierung, den Beweis der Unbedenklichkeit der Deponiealtlasten für die Bevölkerung zu erbringen.

Einladung als PDF.