„Wir halten die Augen offen“

Folgender Artikel entstammt der Printausgabe des Täglichen Anzeigers vom 03.04.2017:


Kreisübergreifende Protestaktion gegen die Aschedeponie Lüthorst / Genehmigung zur Erweiterung droht

WANGELNSTEDT/PORTENHAGEN (jbo). „Auch wenn die Genehmigung kommt, werden wir nicht aufgeben.“ Das war der allgemeine Tenor am Ende einer langen Wanderung gegen die Pläne der GFR zur Erweiterung der Aschedeponie zwischen Wangelnstedt und Lüthorst. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren dem Aufruf der Bürgerinitiative Wangelnstedt zu einem Protestmarsch gefolgt und ließen sich auf dem Grillplatz in Portenhagen auf den neuesten Stand zum Genehmigungsverfahren bringen. Marcel Lohmann, Bürgermeister in Wangelnstedt und einer der Sprecher der BI, hatte schlechte Nachrichten für die Protestwanderer im Gepäck. „Das Gewerbeaufsichtsamt in Braunschweig hat die Genehmigung für die Erweiterung und den Weiterbetrieb der Deponie erteilt“ so Lohmann. Jetzt liege die Entscheidung letztendlich bei der Landesregierung. Eigentlich, so Lohmann, passe so eine Genehmigung nicht zu den politischen Inhalten der Rot-grünen Landesregierung. Er erinnerte die Anwesenden jedoch daran, dass das Land zu 20 Prozent am Volkswagenkonzern beteiligt sei und dieser 90 Prozent der zu deponierenden Asche verursache. Lohmann betonte, dass die Interessen der Anwohner über den finanziellen Interessen eines Großkonzernes stehen müssen. Darüber hinaus kritisierte der Bürgermeister, dass es immer noch keine Klarheit über die Einlagerungen der vergangenen Jahre gebe und die GFR Kernbohrungen weiterhin kategorisch ablehne. Lohmann forderte die Einwohner aus Wangelnstedt, Lüthorst und Portenhagen auf, unbequeme Fragen zu stellen. Die Deponie sei übervoll, es habe ständig Unregelmäßigkeiten beim Betrieb gegeben, das Gelände liege zu 100 Prozent in einem Vogelschutzgebiet und die Konditionen, unter denen der Verkauf für die Erweiterungsflächen durch die Kirchengemeinde erfolgt sind, seien mehr als fraglich, so Lohmann. Trotz alledem könnte es zu einer Genehmigung kommen. Im Zusammenhang mit all den offenen Fragen kritisierte Lohmann auch, dass kein Vertreter des Landkreises Northeim am runden Tisch zum Thema Aschdeponie teilnehme. „Aber wir halten die Augen offen“ so Lohmann unter dem Applaus der Anwesenden. Werner Richter, Kommunalpolitiker der Grünen im Landkreis Northeim und Mitglied der BI, machte den betroffenen Bürgern dann doch noch etwas Hoffnung. „Unser Rechtsbeistand hat uns darin bestärkt, notfalls eine Klage gegen die Genehmigung zu führen. Die Erfolgsaussichten seien sehr gut“ berichtete Richter, der dabei jedoch noch nicht näher ins Detail gehen wollte. Darüber hinaus habe es auch schon Gespräche mit dem Volkswagenkonzern gegeben, die die Hoffnung wecken, dass diese Art der Deponie keine Zukunft haben wird.„Bis dahin gilt es, den Betreibern den Betrieb so unbequem wie möglich zu machen“ so die Sprecher der BI einstimmig.