Deponiestaub gehört auch nicht in die Ortschaften

Folgender Leserbrief entstammt der Printausgabe des Täglichen Anzeigers Holzminden vom 10. August 2017:


Die Bevölkerung in Wangelnstedt musste die Staubwolken von der Deponie fast 30 Jahre über sich ergehen lassen. Jetzt äußert Herr Grupe Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung und sagt: Der Staub gehört nicht in die Luft. Gleichzeitig verweist er darauf, dass die Genehmigungsbehörde und das Ministerium nach allen Vorgaben des Gesetzes handeln müssen. Hört sich gut an, doch welche Gesetze verhindern in der Zukunft, dass ab einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h die Reststoffe aus den Rauchgasentschwefelungsanlagen nicht mehr aufgewirbelt werden und in die Ortschaften gelangen? Gab es diese in der Vergangenheit noch nicht? Oder hat der Gesetzgeber hier zwischenzeitlich nachgebessert? Dann müsste die Deponie Lüthorst sofort geschlossen werden und die Genehmigung für die Erweiterung dürfte nicht erteilt werden!

Tatsächlich ist es unsinnig, einen Berg aufzuschütten, denn wenn sich die abgelagerten Reststoffe aus den Rauchgasentschwefelungsanlagen so verhalten, wie es von der Betreibergesellschaft dargestellt wird, wäre es das ideale Material, um Hohlräume in alten Bergwerken aufzufüllen. Dies wird von anderen Entsorgern bereits praktiziert, und es stehen für viele Jahre ausreichend Kapazitäten zur Verfügung! Es gibt keinen Entsorgungsnotstand! Es ist also nicht so, wie unter anderem von Ihnen, Herr Grupe, auf Landesebene geäußert, dass aus Entsorgungsgründen die Erweiterung der Deponie Lüthorst notwendig ist. Lediglich der Profit wird wahrscheinlich bei der Verfüllung in die Hohlräume alter Bergwerke nicht so üppig ausfallen, als wenn ein Berg aufgeschüttet wird. Insofern sind die ebenfalls geäußerten Befürchtungen von wirtschaftlichen Schäden bei der Betreibergesellschaft nicht ganz unbegründet.

Bei der Variante, Hohlräume zu verfüllen, werden die abgelagerten Reststoffe nicht nur dauerhaft dem Umweltkreislauf entzogen, sondern auch die Allgemeinheit profitiert, denn die Gefahr für darüber liegende Ortschaften wird mit der Verfüllung ausgeschaltet. Eine Belastung für das Umfeld gibt es hier nicht! Bei der Deponie Lüthorst hat ein einzelnes Unternehmen einen höheren Gewinn, dafür leidet die Umgebung unter den Staubwolken und eine Verunreinigung des Grundwassers kann auf lange Sicht nicht ausgeschlossen werden, da das Deponiegelände in einem Karstgebiet liegt.

Es ist nicht nur unsinnig, die Deponie Lüthorst weiter zu betreiben und sogar noch zu erweitern, sondern es ist in der heutigen Zeit und mit unserem heutigen Wissen unverantwortlich! Hier geht es nicht nur um Wangelnstedt, hier geht es um das Allgemeinwohl. Verständnis von der Politik reicht hier nicht. Es wäre vielmehr ein Skandal, wenn die Politik das zulässt!

Gerd Starke
Wangelnstedt