Bl fordert Kernbohrung bis zur Deponiesohle

Folgender Artikel entstammt der Printausgabe des Täglichen Anzeigers vom 28. Januar 2017:


Bürgerinitiative Wangelnstedt/Lüthorst stellt die Sinnhaftigkeit der Gespräche am „Runden Tisch“ in Frage

WANGELNSTEDT/LÜTHORST (nig). Neue Ungereimtheiten in Bezug auf die Aschedeponie bei Lüthorst hat die Bürgerinitiative Wangelnstedt-Lüthorst zu Tage gefördert. Einige Mitglieder hatten Einsicht in die amtlichen Akten der zuständigen Behörden nehmen dürfen und waren dort auf Dokumente gestoßen, die Fragen insbesondere zur Frühphase der Deponie (1989) aufwerfen. Am Donnerstag stellte die B1 den rund 80 Teilnehmern der Info-Veranstaltung im Hotel „Wilhelm-Busch“ in Lüthorst ihre Erkenntnisse vor und formulierte neue Forderungen.

Es gab eine sehr rege Beteiligung und Nachfragen auf die von der BI vorgestellte Berichterstattung. Für die Bevölkerung ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass es über Jahre auf allen deponiebezogenen Bereichen nachträgliche Erweiterungen gab, die nicht bekannt gemacht wurden.

Nach aktuellem Stand stellt die BI Wangelnstedt/Lüthorst die Sinnhaftigkeit der Gespräche am „Runden Tisch“ in Frage. Nach den neuen Erkenntnissen über die frühen Deponiejahre hält die BI eine Kernbohrung bis zur Deponiesohle für angebracht. „Und in genau diesem Punkt zeigt sich bislang der Betreiber uneinsichtig“, ärgern sich die Akteure.

Die BI vertritt, im Gegensatz zum Deponiebetreiber, die Ansicht, dass es in den ersten Deponiebetriebsjahren zur Einlagerung von Verbrennungsaschen mit bisher nicht untersuchten und daher bisher unbekannten Schadstoffkonzentrationen kam.

Entgegen der Behauptung des Deponiebetreibers, die Deponie sei ein Monolith, hat die BI Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Fachleute anderer Ansicht sind.

Zu befürchten sei, dass Aschen der Verbrennungsstoffe (Altöl, Altreifen, Tierkadaver, Klärschlamm, Steinkohle, Holzabfälle aus Heizkraft- und Abfallkraftwerken) Unterschiede in ihrer Dichte und chemischen Zusammensetzung aufweisen.

„Wir wissen aus 30 Jahren leidvoller persönlicher Erfahrung, dass Deponiefeinstaub kein Puderzucker ist.“
— BI Wangelnstedt/Lüthorst

Die Einlagerung der inhomogenen Aschen und Materialien erfolgte in horizontalen Schichten. Fachleute wiesen darauf hin, dass es Erdfälle (Erdrutsch) im Bereich des Deponiegeländes gibt, die nach Ansicht der BI sowohl auf die jetzige Deponierung wirken, als auch bei der geplanten Deponieerweiterung Gefahren bergen. „Inwieweit das Entstehen sogenannter Abbruchkanten darauf zurückzuführen ist, scheint nicht geklärt“, formuliert es Lupi A. Pfaffe, die den Info-Abend moderierte. „Es bleibt dem weiten Feld unserer Vermutungen überlassen“.

Die BI habe außerdem in Erfahrung gebracht, dass chemische Prozesse in der Altdeponie zu einer Wärmeentwicklung in den eingelagerten Abfallschichten führen. Hierbei kommt es, laut der Untersuchungen des Betreibers. Zu schnellen Temperaturerhöhungen von bis zu 80 Grad Celsius. Das Abklingen der Temperatur erfolgt über mehrere Tage. Die Bl ist der Auffassung, dass daher die bisherige Deponierungspraxis dringend gewissenhaft und kritisch und durch neutrale Dritte untersucht werden muss.

Weiter wurde der BI bekannt, dass es auf dem Deponiegelände zu Kalkverwehungen aufgrund offensichtlich mangelhafter Ablagerungtechniken kam. Als bemerkenswert empfindet die BI auch die wenig sachgerechte Lagerung von Altöl im 400-Liter-Fass, welches auf der Deponie gesichtet wurde.

„Wenn die gegenwärtige Deponierungspraxis unzureichend ist und viele Fragen unbeantwortet lässt, wie kann dann ernsthaft über die Erweiterung der Deponie um weitere 30 Jahre nachgedacht werden? „, wundert sich die BI. „Wie soll die Deponieerweiterung möglich sein, wenn sich herausstellt, dass die Altdeponie am Ende der Tage ein Sanierungsfall ist?“

Ein „weiter so“ und „jetzt erst recht“ dürfe es ohne solide Aufarbeitung und Klärung nicht geben. „Wir erwarten Antworten darauf, wie tauglich die Altdeponie an diesem Standort wirklich ist, und wollen schnellstens wissen, ob die Deponie ein Altlastenproblem hat und welche wirklichen Gefahren damit verbunden sind“, heißt es in dem am Donnerstag vorgestellten Forderungskatalog der Bürgerinitiative. Neben der Kernbohrung fordert die BI einen sofortigen Anlieferungsstopp weiterer Aschen sowie die Betriebseinstellung der Deponie Wangelnstedt bis zur endgültigen Klärung der aufgeführten Fragen. Zudem erwartet sie die Aussetzung des Planfeststellungsverfahren und die aktive Aufarbeitung der aufgezeigten Probleme durch die Verantwortlichen der Landesregierung.

Grundsätzlich erwarte die Bevölkerung in Wangelnstedt und Lüthorst von den Abfallverursachern und den Abfallentsorgem saubere Lösungen anstatt Gesundheitsbelästigung und die Hinterlassenschaft giftiger Probleme: „Wir wissen aus 30 Jahren leidvoller persönlicher Erfahrung, dass Deponiefeinstaub kein Puderzucker ist.“